ZERVIKALSYNDROM
chronisches Zervicalsyndrom,
Zervikalsyndrome, Schmerzen im Bereich der
Halswirbelsäule
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Manche Autoren schreiben den Begriff "Zervikalsyndrom" auch mit c (Zervicalsyndrom)
Das Zervikalsyndrom ist ein zu allgemeiner Sammelbegriff für von der Halswirbelsäule ausgehende oder den Halswirbelsäulenbereich betreffende Beschwerden. Es wird empfohlen, diesen allgemeinen Begriff zu unterteilen (P. Schöps, J. Hildebrandt, 2001):
Zervi kales Überlastungssyndrom
Zervi kales myofasziales Syndrom (= Mus keln und deren Gewebshülle betreffende Schmerzen)
Zervi kales Irritationssyndrom
Zervi kale segmentale Funktionsstörung
Zervi kale radikuläre Syndrome (= Krankheitszeichen infolge einer Nervenstörung, -schädigung)
Zervikogene Kopfschmerzen (= Kopfschmerz, der von der Halswir belsäule ausgeht)
Nacken-Zungen-Syndrom
(Neck-tongue-Syndrom):
Attackenartige einseitige hinterkopfbetonte Schmerzen sind von einer
unangenehmen Hypästhesie (= herabgesetzte
Empfindlichkeit) der gleichseitigen Zungenhälfte begleitet.
Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes (= zwischen Schädel
und Wir belsäule gelegen) vermutet (Bogduk 1981).
Retropharyngeale Tendinitis (= Sehnenentzündung hinter dem Rachen bzw. Schlund)
Krankheitsfolgen nach Schleudertrauma
Die mit Abstand häufigste Ursache für ein
Zervikalsyndrom
sind von der
Halswirbelsäule
ausgehende Störungen, hauptsächlich im Bereich der gelenkigen
Wirbelverbindungen, die sog. "Wirbelblockierungen".
In der Regel klagen die
Patienten über
Nackenschmerzen, die in die Schultern, manchmal bis in die
Ar me
und/oder auch in den Hin terkopf (z.T. bis zur
St irn) ausstrahlen können. Meist
ist die Mus kulatur neben der W irbelsäule
verhärtet, häufig verbunden mit einer
schmerzhaft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit. Vielfach besteht auch
Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Halswi
rbelsäule.
Zum
Ausschluß eines die Ner venwurzeln betreffendes Krankheitsgeschehens (radikuläre
Syndrome), bedarf es immer einer fachlichen Abklärung (Neurologie,
Radiologie).
Heftigste Schmerzzustände mit Muskelhartspann und dadurch
erzwungener Fehlhaltung (Schiefhaltung) werden als „akuter
Tortikollis“
bezeichnet.
In Abhängigkeit von der Höhe der Störung unterscheidet man Zervikalsyndrome in:
Oberes Zervikalsyndrom:
Die typischen
Krankheitszeichen sind in der Literatur unterschiedlich dargestellt (Kügelgen
et Hillemacher 1989, Kocher et al. 1980, Dahmen
et al. 1985). Gemeinsames Merkmal sind
Nackenschmerzen
mit Schmerzausstrahlung nach oben in den Kop
f, da sich die
Störungen überwiegend auf die Ner venwurzel des 2. Halswirbels konzentrieren. Die
Schmerzeinstrahlung in den Hin terkopf, teilweise auch bis zur Stirnreg
ion
ziehend, führt häufig zur Diagnose eines zervikogenen oder vertebragenen
(= wirbelsäulenbedingten)
Kopfschmerzes.
Inwieweit die HW S-spezifische "Unkovertebralarthrose"
(= Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei
Wirbelkörpern) über eine Einengung
der Wirbelsäulenschlagader (A. ver tebralis) im Foramen intervertebrale
(= Zwischenwirbelloch)
ein zerv iko-kephales (= Ha
ls und Kop
f
betreffendes) Krankheitsbild
verursachen kann, ist noch nicht endgültig geklärt.
Mittleres Zervikalsyndrom:
Typische Schmerzen
treten im Bereich der Halswirbel 3, 4, 5 auf und strahlen in die
Schulterblätter, auch bis über die Schu lter
aus.
Beim radikulären Syndrom
(=
Krankheitszeichen infolge einer Nervenstörung,
-schädigung) treten
Störungen der Nervenfunktion in Form von herabgesetzter Empfindung und/oder
Lähmungen von Schulterblattmuskeln (z.B. M. levator scapulae) auf.
Ganz selten
kommt es auch zu Zwerchfellähmung (Thoden 1987).
Beim radikulären Syndrom der Ner venwurzel des 5. Halswirbels ist der M. biceps
brachii betroffen.
Unteres Zervikalsyndrom:
Da die Ner venwurzeln
des 6. bis 8. Halswirbels und des 1. Brustwirbels betroffen sind, können
Beschwerden bis in den Kleinfinger ausstrahlen.
Meist wird dieser Schmerzzustand
mit „Zerv ikobrachialgie"
bezeichnet, obwohl streng genommen
das Zervikobrachialsyndrom mit einer radikulären Symptomatik
(=
Krankheitszeichen infolge einer Nervenschädigung,
-störung)
einhergeht (Debrunner 1988).
Die
pseudoradikuläre (=
auf einen scheinbaren Nervenschaden
zurückzuführende)
Ausstrahlung in die Ar me fällt noch unter den Begriff "Zervicalsyndrom".
Bei Störung der Ner venwurzel des 1. Brustwirbels kann sich ein Horner-Syndrom
(= Augenlidsenkung, Verengung der
Pupille, Zurücksinken des Augapfels)
ausbilden (Thoden 1987).
Medikamentöse
Schmerztherapie der
Zervicalsyndrome:
Akut und subakut können beim Zervicalsyndrom
zunächst (vorwiegend) peripher wirkende
Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(=
Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B.
Mobec®.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände
nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch beim Zervikalsyndrom
eine
längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Abhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva (= Mittel gegen
Depression, u.a. aber auch beim Zervikalsyndrom hilfreich)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei Zervicalsyndrom (chronisches):
Bei anhaltenden Schmerzen sollten
rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame
Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische
Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.
Infiltrative Lokalanästhesie beim
Zervikalsyndrom:
Die einfachste diesbezügliche
Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die W irbelsäule
angrenzenden Mus kulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca.
5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die
gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Nervenblockaden beim Zervikalsyndrom:
Zur Unterbrechung segmentaler
Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich beim Zervikalsyndrom Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Ner venwurzeln
(= Nervenaustrittstellen neben der Wir belsäule).
Gegen Schmerzausstrahlungen in den Hin terkopf im Rahmen eines oberen Zervicalsyndrom s wirken wiederholte Betäubungen Nn.
occipitales (= Nerv en am
Hin terkopf).
Schmerzausstrahlungen in Schu lter/A rm, wie sie beim unteren Zervikalsyndrom bzw. bei der
Zerv ikobrachialg ie in typischer Weise vorkommen, sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte
hohe Blockade des Plexus brachialis (=
Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich)
nach Winnie an. Technisch risikoärmer und oft besser wirksam
ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe
Plexus
brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe unten).
Zur Schmerzbehandlung kann auch die interskalenäre
(= zwischen Muske ln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade
des Plexus brachialis (auch
kontinuierlich
mit Katheter) durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit
einem etwas größeren Risiko behaftet.
Physikalische Therapie bei
Zervikalsyndrom
(chronisches):
Auch die Elektrostimulation kann bei einem
Zervikalsyndrom bzw. bei Nack enschmerzen eine Beschwerdelinderung herbeiführen.
Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst
behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der
Halswirbelsäule
aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße
kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische
Behandlungsmöglichkeit ist beim
Zervikalsyndrom
die oberflächliche
Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einem
Zervicalsyndrom
empfinden allerdings
lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam.
Die Verordnung von Massagen
ist auch bei Schmerzen aufgrund eines Zervikalsyndrom
s nicht sinnvoll. Für den Patient
mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem
Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist dagegen
beim
Zervikalsyndrom die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet
ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu
stabilisieren. Dabei gilt es, die Mus kulatur
neben der Halswirbelsäule zu
trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mus kulatur eine statische
und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten
Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie) durchaus gute
Erfolge aufzuweisen.
Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnützung hervorgerufenen)
Veränderungen der W irbelsäule
wird auch eine Röntgenbestrahlung
(Thomalske 1991) und Magnetfeldtherapie
empfohlen.
Andere Therapiemaßnahmen bei Zervicalsyndrom:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur zur Behandlung des Zervikalsyndroms nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig
sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von
übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie). Darüber hinaus
ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. Schanzsche
Krawatte sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde)
Verfahren wie autogenes Training oder
progressive Relaxation nach Jakobson sind beim Zervikalsyndrom eine sinnvolle
Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung
führen, ebenso Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schme
rz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.
Bei längerfristig bestehenden chronischen Schmerzen aufgrund eines Zervikalsyndrom s ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Erläuterungen:
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben.
Aktualisiert: 12.09.05
A
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H
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myofaziales
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Wirbelsäulensyndrom,
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Wurzelreizsyndrom,
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www.schmerzklinik-1a.de,
Schmerzklinik (2):
www.schmerzklinik-1.de
Seniorenhotel:
www.senioren-hotel.com
www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
www.norderney-insel-hotel.de
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