ZERVIKALSYNDROM
chronisches Zervicalsyndrom, Zervikalsyndrome, Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule
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Manche Autoren schreiben den Begriff "Zervikalsyndrom" auch mit c (Zervicalsyndrom)

Das Zervikalsyndrom ist ein zu allgemeiner Sammelbegriff für von der Halswirbelsäule ausgehende oder den Halswirbelsäulenbereich betreffende Beschwerden. Es wird empfohlen, diesen allgemeinen Begriff zu unterteilen (P. Schöps, J. Hildebrandt, 2001):

Die mit Abstand häufigste Ursache für ein Zervikalsyndrom sind von der Halswirbelsäule ausgehende Störungen, hauptsächlich im Bereich der gelenkigen Wirbelverbindungen, die sog. "Wirbelblockierungen".
 In der Regel klagen die Patienten über Nackenschmerzen, die in die Schultern, manchmal bis in die Ar me und/oder auch in den Hin terkopf (z.T. bis zur St irn) ausstrahlen können. Meist ist die Mus kulatur neben der W irbelsäule verhärtet, häufig verbunden mit einer schmerzhaft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit. Vielfach besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der
Halswi rbelsäule
Zum Ausschluß eines die Ner venwurzeln betreffendes Krankheitsgeschehens (radikuläre Syndrome), bedarf es immer einer fachlichen Abklärung (Neurologie, Radiologie). 

Heftigste Schmerzzustände mit Muskelhartspann und dadurch erzwungener Fehlhaltung (Schiefhaltung) werden als „akuter Tortikollis“ bezeichnet. 

In Abhängigkeit von der Höhe der Störung unterscheidet man Zervikalsyndrome in:

Oberes Zervikalsyndrom
Die typischen Krankheitszeichen sind in der Literatur unterschiedlich dargestellt
(Kügelgen et Hillemacher 1989, Kocher et al. 1980, Dahmen et al. 1985). Gemeinsames Merkmal sind Nackenschmerzen mit Schmerzausstrahlung nach oben in den Kop f, da sich die Störungen überwiegend auf die Ner venwurzel des 2. Halswirbels konzentrieren. Die Schmerzeinstrahlung in den Hin terkopf, teilweise auch bis zur Stirnreg ion ziehend, führt häufig zur Diagnose eines zervikogenen oder vertebragenen (= wirbelsäulenbedingten) Kopfschmerzes
Inwieweit die HW S-spezifische "Unkovertebralarthrose"
(= Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei Wirbelkörpern) über eine Einengung der Wirbelsäulenschlagader (A. ver tebralis) im Foramen intervertebrale (= Zwischenwirbelloch) ein zerv iko-kephales (= Ha ls und Kop f betreffendes) Krankheitsbild verursachen kann, ist noch nicht endgültig geklärt.

Mittleres Zervikalsyndrom
Typische Schmerzen treten im Bereich der Halswirbel 3, 4, 5 auf und strahlen in die Schulterblätter, auch bis über die Schu lter aus. 
Beim radikulären Syndrom
(= Krankheitszeichen infolge einer Nervenstörung, -schädigung) treten Störungen der Nervenfunktion in Form von herabgesetzter Empfindung und/oder Lähmungen von Schulterblattmuskeln (z.B. M. levator scapulae) auf. 
Ganz selten kommt es auch zu Zwerchfellähmung
(Thoden 1987). Beim radikulären Syndrom der Ner venwurzel des 5. Halswirbels ist der M. biceps brachii betroffen.

Unteres Zervikalsyndrom
Da die Ner venwurzeln des 6. bis 8. Halswirbels und des 1. Brustwirbels betroffen sind, können Beschwerden bis in den Kleinfinger ausstrahlen. 
Meist wird dieser Schmerzzustand mit „Zerv ikobrachialgie" bezeichnet, obwohl streng genommen das Zervikobrachialsyndrom mit einer radikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen infolge einer Nervenschädigung, -störung) einhergeht (Debrunner 1988).  
Die pseudoradikuläre
(= auf einen scheinbaren Nervenschaden zurückzuführende) Ausstrahlung in die Ar me fällt noch unter den Begriff "Zervicalsyndrom". 
Bei Störung der Ner venwurzel des 1. Brustwirbels kann sich ein Horner-Syndrom
(= Augenlidsenkung, Verengung der Pupille, Zurücksinken des Augapfels) ausbilden (Thoden 1987).

Medikamentöse Schmerztherapie der Zervicalsyndrome:
Akut und subakut können beim
Zervicalsyndrom zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. 
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch beim
Zervikalsyndrom eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch beim Zervikalsyndrom hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Zervicalsyndrom (chronisches)
Bei anhaltenden Schmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.

Infiltrative Lokalanästhesie beim Zervikalsyndrom
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die W irbelsäule angrenzenden Mus kulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockaden beim Zervikalsyndrom:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich beim Zervikalsyndrom Blockaden (= Betäubungen) der korrespondierenden Ner venwurzeln (= Nervenaustrittstellen neben der Wir belsäule).
Gegen Schmerzausstrahlungen in den Hin terkopf im Rahmen eines oberen
Zervicalsyndrom s wirken wiederholte Betäubungen Nn. occipitales (= Nerv en am Hin terkopf). 
Schmerzausstrahlungen in Schu lter/A rm, wie sie beim unteren Zervikalsyndrom bzw. bei der Zerv ikobrachialg ie in typischer Weise vorkommen, sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Plexus brachialis (= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) nach Winnie an. Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe Plexus brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe unten).
Zur Schmerzbehandlung kann auch die interskalenäre
(= zwischen Muske ln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des Plexus brachialis (auch kontinuierlich mit Katheter) durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet.

Physikalische Therapie bei Zervikalsyndrom (chronisches)
Auch die Elektrostimulation kann bei einem Zervikalsyndrom bzw. bei Nack enschmerzen eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Halswirbelsäule aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist beim
Zervikalsyndrom die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit einem
Zervicalsyndrom empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Schmerzen aufgrund eines Zervikalsyndrom s nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist dagegen
beim Zervikalsyndrom die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Mus kulatur neben der Halswirbelsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mus kulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann. 
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie) durchaus gute Erfolge aufzuweisen. 
Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnützung hervorgerufenen) Veränderungen der W irbelsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung (Thomalske 1991) und Magnetfeldtherapie empfohlen.

Andere Therapiemaßnahmen bei Zervicalsyndrom
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur zur Behandlung des
Zervikalsyndroms nicht unerwähnt bleiben. 
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen. 
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. Schanzsche Krawatte sollten dem Orthopäden vorbehalten sein. 
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind beim Zervikalsyndrom eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Psychotherapeutische Interventionen können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schme rz" angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.

Bei längerfristig bestehenden chronischen Schmerzen aufgrund eines Zervikalsyndrom s ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Erläuterungen:

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben.

Aktualisiert: 12.09.05
A
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B
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Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:

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www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
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